Fantasy Faszination präsentiert nun das erste Interview! Ich freue mich, dass ich dafür die talentierte und sehr sympathische Autorin Ulrike Schweikert gewinnen konnte, die unter anderem etwas über ihre neue Serie “Die Erben der Nacht” erzählt.
FF: Zuerst würde ich Sie bitten, sich den Lesern kurz vorzustellen.
Ulrike Schweikert: Mich vorstellen? Damit hatte ich schon immer Schwierigkeiten. Wer bin ich? Eine Autorin die schon als Kind durch blühende Fantasie auffiel (was sich auch heute noch in Phasen des Träumens und der geistigen Abwesenheit zeigt, sehr zum Ärgernis meiner Mitmenschen), die auf langen Umwegen ihren Traumberuf gefunden hat – ihre Berufung? Kann man so sagen. Ich träume, ich schreibe, ich reise gerne, erforsche andere Länder, liebe das Abenteuer und habe mein Studium der Geologie vom ersten Tag bis zum letzten genossen. Daher sind auch Vulkane und andere geologische Herausforderungen die bevorzugten Reiseziele, die ich mit meinem Mann zusammen erobere. Daheim liebe ich die Ruhe, unser Haus am Waldrand, die Weite, die Wiesen und Felder, über die man so schön ausreiten kann, und meine Papageien, die bei der Arbeit immer dabei sind, und um mich herumturnen (natürlich nicht bei den Recherchereisen).
FF: Sie sind sowohl für ihre historischen als auch für phantastische Romane bekannt, oftmals haben Sie auch beide Genres vermischt. Welches Genre reizt Sie mehr? Welche Unterschiede gibt es während des Schreibens zu beachten?
Ulrike Schweikert: Ich habe einfach Spaß an beidem. Wenn ich lange „in der Historie gewühlt habe“, dann möchte ich wieder Fantasy machen und andersherum. Auch die Mischung ist sehr interessant, beispielsweise meine Vampire in echte Orte und echte Geschichte mit historischen Persönlichkeiten einzubinden. Der Unterschied ist, dass man bei der Fantasy eigene Welten erschaffen kann – sich dann aber streng an einmal aufgestellte Gesetze halten muss, was bei Magie und magischen Wesen nicht einfach ist. Allzu schnell wird eine Geschichte unlogisch oder Figuren geraten zu allmächtig. Es ist schwer, ausgewogen zu bleiben und keine Superhelden zu schaffen. Oder langweilige Superbösewichte.
Historische Romane haben die Schwierigkeit, dass die Geschichte manchmal den eigenen Ideen widerspricht und man sich dann irgendwie aus dem Dilemma winden muss, ohne historische Fehler einzubauen. Außerdem ist es natürlich eine heiden Arbeit die Daten und Fakten zusammenzutragen und das Alltagsleben der jeweiligen Zeit zu rekonstruieren. Sechs Monate Recherche sind ein Minimum, ehe der erste Satz geschrieben werden kann. Daher sind die historischen Romane immer aufwändiger. Aber ich verbeiße mich gerne in einen Stoff und spiele Detektiv für jedes Detail.
FF: Ihre aktuelle Jugendbuch-Serie, „Die Erben der Nacht“, beschäftigt sich mit Vampiren, ein Thema, dass sie schon einmal in anderen Romanen, der „Peter von Borgo“-Reihe, behandelt haben. Was fasziniert Sie an diesen Geschöpfen?
Ulrike Schweikert: Mich lockt das Dunkle und Verbotene. Strahlende Helden sind langweilig. 
Es ist wie mit Sarah in Tanz der Vampire – das Musical habe ich mehr als ein Dutzend Mal gesehen. Für mich haben Vampire etwas Erotisches, Anziehendes. Sie sind aus einer nicht greifbaren Schattenwelt, der Übergang zwischen Traum und Wachen, der sehr berückend sein kann. Die reinen Horrorwesen, die Blut saugen und töten, mag ich nicht. Sie müssen gebildet sein und schön, locken und verführen, dann ist es lohnenswert, mit dem Verderben zu flirten.
FF: Derzeit erlebt das Vampirgenre ein eindrucksvolles Revival; die Verlage scheinen sich praktisch an allem die Rechte zu sichern, was sie kriegen können. Auf Qualität wird hierbei nicht immer wert gelegt. „Nosferas“ bildet da glücklicherweise eine Ausnahme, ist sowohl gut geschrieben als auch innovativ und hebt sich von den einfallslosen Vampirromanzen deutlich ab. War es für Sie dementsprechend leicht, einen Verlag zu finden?
Ulrike Schweikert: Tja, ich war dem Trend leider voraus. Als ich mir „Die Erben der Nacht“ ausdachte, wollte noch keiner das Risiko auf sich nehmen, eine Vampirgeschichte groß rauszubringen. Da musste Stephenie Meyer kommen und mir den Weg ebnen. Plötzlich war das Interesse an meiner Idee da und ich konnte sie gar nicht schnell genug liefern. Bei „Peter von Borgo“ gar musste ich unter Knaur noch ein Pseudonym annehmen, dass die ersten Bücher verlegt wurden. Erst jetzt darf ich sie noch einmal bei LYX unter meinem Namen bringen.
FF: Wie lange haben Sie an „Nosferas“ gearbeitet?
Sie geben ein sehr authentisches Bild Roms ab, man merkt schnell, dass Sie viel dafür recherchiert haben. Waren die Recherchearbeiten eher spannend oder mühselig?
Ulrike Schweikert: Ich war zweimal in Rom zur Recherche, was mir sehr viel Spaß gemacht hat und auch interessant und aufregend für mich war. Ich liebe es, die Spielorte zu bereisen und mich dort inspirieren zu lassen. Bei meinen Besuchen in den Katakomben, der Engelsburg, den Ruinen, Kirchen und Friedhöfen konnte ich meine Vampire hören und sehen. Die Szenen entstehen dann einfach in meinem Kopf. Allerdings geht das nur, wenn ich für mich alleine unterwegs bin. Das alleine reicht natürlich nicht. Man muss für die Hintergrundinformationen natürlich auch viele Bücher wälzen. Da gehen ein paar Woche ins Land.
Für den Text und die sprachliche Feinarbeit habe ich dann noch einmal sechs Monate gebraucht.
FF: Der zweite Teil von „Die Erben der Nacht“, „Lycana“, wird einen gänzlich neuen Schauplatz haben: Irland. Haben Sie auch dieses Land zu Recherchezwecken bereist? Wie sind Sie auf die sehr interessante Idee gekommen, wechselnde Schauplätze für ihre Reihe zu wählen?
Ulrike Schweikert: Nach einigen historischen Romanen, deren Schauplätze rund um meine Heimat in Süddeutschland liegen, hatte ich einfach mal Lust, ein wenig über den Tellerrand zu sehen, und als die Idee mit den verschiedenen Vampirclans geboren wurde, musste ich mir natürlich spannende Wohnorte der Clans und damit auch Spielorte der Romane ausdenken. Dies ergibt sich mit der Idee, dass die Clans unterschiedliche Stärken haben, die sie nun allen Erben zur Verfügung stellen wollen. Wie ginge das besser, als im jeweiligen Haus der Vampirclans. Daher also die Ortswechsel mit jedem Akademiejahr und jedem Band.
Eigentlich waren die meisten Orte klar – Rom – London – Paris – Wien – nur in Deutschlend habe ich lange überlegt, welche Stadt ich wählen sollte. Aber da Hamburg mit meinem „Peter von Borgo“ ja schon vampirgeweiht ist und ich diese Stadt liebe, fiel die Wahl auf diese Stadt. Irland habe ich erst einmal rundum bereist, um die passenden Orte für meine Vampire auf der Insel zu finden. Hier sind Burgen und Höhlen meiner Meinung nach passender als Dublin zum Beispiel.
FF: Ist eine Hörbuchadaption für „Nosferas“ geplant?
Ulrike Schweikert: Eine gekürzte Hörbuchfassung ist bereits bei JUMBO Neue Medien & Verlag GmbH in der Produktion.
FF: Woher nehmen Sie die Inspiration für ihre phantastischen Romane?
Ulrike Schweikert: Gute Frage. Ich weiß es nicht. Ich beobachte und nehme alles in mich auf, und plötzlich sind Ideen in mir. Wenn sie gut sind, baue ich sie aus. Dabei hilft auch mein täglicher „kreativer Mittagschlaf“ den ich mir immer gönne und meine Ausritte auf meiner Stute.
FF: Haben Sie literarische Vorbilder?
Ulrike Schweikert: Es ist nicht so, dass ich einen Lieblingsautor hätte, dem ich nacheifere, aber es gibt Bücher, die mich über Jahrzehnte faszinieren und prägen. Für den historischen Roman war das sicher „Der Name der Rose“. Bei den Kollegen, die historische Romane schreiben, finde ich Rebecca Gablé rundum eine tolle Frau. Sie weiß, worüber sie schreibt, und kann das mit wunderbaren Figuren und einem nie abreißenden Spannungsbogen, und auch persönlich schätze ich sie sehr.
Sprachlich schwelge ich in Oscar Wilde. Man kann sich einzelne Sätze auf der Zunge zergehen lassen und ist schon glücklich. „Das Gespenst von Canterville“ oder das „Das Bildnis des Dorian Gray“ – einfach göttlich.
Vom steilen Aufstieg und ihrem Erfolg her kann ich Frau Rowling nur beglückwünschen und bewundern. Außerdem finde ich ihre Harry Potter Reihe sehr gelungen. Die Figuren entwickeln sich richtig und werden langsam erwachsen. Vor allem die englischen Hörbücher habe ich unzählige Male bei meinen Fahrten zu Lesungen mit Vergnügen gehört.
FF: Woran arbeiten Sie gerade? Verfolgen Sie neben „Die Erben der Nacht“ noch andere Buchprojekte?
Ulrike Schweikert: Gerade bin ich an Band 3 der Erben der Nacht. „Pyras“. Hierfür war ich in Hamburg und Paris. In diesem Band müssen die Erben nämlich mitten im Schuljahr von Hamburg nach Paris umziehen. Danach nehme ich mir wieder einen historischen Roman vor. Den zweiten Teil von „Die Dirne und der Bischof“ – einer Geschichte aus dem 15 Jahrhundert, die in Würzburg spielt. Der erste Teil kommt jetzt im September raus.
FF: Vielen Dank für das Interview!
Wer nun neugierig geworden ist, dem lege ich die Seite http://www.ulrike-schweikert.de/ ans Herz, die noch mehr Informationen zu Frau Schweikert und ihren Büchern bietet.