Die erfolgreiche Autorin Martha Wells spricht in diesem Interview über ihren Roman “Necromancer”, mögliche weitere Veröffentlichungen in Deutschland und darüber, wer und was ihre Werke beeinflusst hat.
FF: „The Death of Necromancer“, in Deutschland unter dem Titel „Necromancer“ erschienen, war das erste Buch von Ihnen, das in Deutschland veröffentlicht wurde. Nun sind viele Leser neugierig auf Sie. Würden Sie sich bitte vorstellen?
Eigentlich wurden die Rechte meinem Buch „Wheel of Infinite“ 2000 an den deutschen Verlag „Droemersche“ verkauft, aber ich habe nie Exemplare erhalten, daher bin ich nicht sicher, ob es jemals veröffentlicht wurde.
Ich arbeite seit 1993 als Schriftstellerin, in diesem Jahr habe ich meinen ersten Roman, „The Element of Fire“, an Tor Books verkauft. Seitdem ist es in fünf anderen Sprachen veröffentlicht worden, zuletzt von Bibliopolis in Spanien. Es spielt in derselben Welt wie „The Death of Necromancer“, aber circa 200 Jahre früher. Seitdem habe ich acht andere SF/Fantasy-Romane geschrieben und einige Kurzgeschichten veröffentlicht (manche kann man kostenlos online lesen, sie sind auf meiner Website verlinkt) und ein paar nicht-fiktionale Artikel.
„The Death of Necromancer“ ist mein vierter Roman, und wurde hier 1998 von Avon Eos veröffentlicht. Er war nominiert für den Nebula Award. Vor kurzem habe ich zwei Romane zu der Serie „Stargate Atlantis“ verfasst, „Reliquary“ und „Entanglement“ die nun erhältlich sind und aktuelle Fantasy-Kurzgeschichten von mir erscheinen im „Black Gate Magazine“.(www.blackgate.com)
FF: Warum schreibst du Fantasy?
Ich habe mich immer zu Science Fiction und Fantasy hingezogen gefühlt.
Das ist, was ich gelesen habe, als ich aufgewachsen bin, was ich im TV und in Filmen gesehen habe und es ist noch immer mein liebstes Genre. Ich lese auch viel Mystery-Literatur, aber SF/Fantasy genieße ich am meisten.
FF: Was ist deiner Meinung nach deine Stärke als Autorin?
Ich denke, meine Stärke liegt im World-Building sowie in der Charakterisierung. Ich versuche, aus meinen Charakteren sehr starke Menschen zu machen, mit denen der Leser gern Zeit verbringt, sogar wenn er nicht allem zustimmt, was die Charaktere tun. Und ich versuche, die Welt, in der die Bücher handeln, real wirken zu lassen, ein Ort, der meine Charaktere wirklich so hervorbringen würde.
FF: Viele Rezensionen zu „Necromancer waren sehr begeistert. Verhandelst du bereits mit Heyne oder anderen deutschen Verlagen über weitere Veröffentlichungen oder hast du vielleicht schon weitere Rechte verkauft? Besonders die „The Fall of Ile-Rien“-Reihe wäre sicher interessant für deine deutschen Leser.
Ich würde es wirklich toll finden, wenn die anderen Ile-Rien-Romane in Deutschlang erscheinen würden. (Es würde sich um „The Element of Fire“, „The Wizard Hunters“, „The Ships of the Air“ und „The Gate of Gods“ handeln, und ich habe außerdem einige Kurzgeschichten geschrieben, die mit der Welt Ile-Rien verbunden sind.) Ich habe noch nichts von Heyne darüber gehört, daher weiß ich nicht, ob sie Interesse daran haben, weitere Werke von mir zu veröffentlichen. Ich habe letztes Jahr meinen Agenten gewechselt und werde nun von Jennifer Jackson von der Donald Maass Agency vertreten.
FF: „Necromancer“ bietet eine wunderbaren Genre-Mix , ambivalente Charaktere und ein innovatives Setting, was bei deutscher Fantasy leider sehr selten ist, wo sich viele Autoren noch stark an Tolkien orientieren. Dein Buch füllt da eine Art Marktlücke, es wirkt für viele Leser noch neu und unverbraucht. Beobachtest du den (Fantasy-)Buchmarkt in den USA? Haben bestimmte Trends einen Einfluss auf deine Arbeit?
In den USA gibt es einen großen Markt für Fantasy und man sieht beides, traditionelle und die unkonventionelle Stories. Zu den größten Trends gehören momentan Urban Fantasy und Paranormal Romance, aber traditionelle Fantasy ist immer noch sehr populär.
Ich denke, „Necromancer“ wurde sehr vom Steampunk-Trend beeinflusst. Ich liebe Tolkien, aber alle Fantasy-Geschichten, die ich geschrieben habe, waren unkonventionell und das ist auch das, wonach ich als Leser für gewöhnlich Ausschau halte. Ich wollte Fantasy schreiben, die in der Epoche des frühen 19. Jahrhunderts handelt, aber es sollte eine imaginäre Welt sein. Letztendlich nahm ich die Welt, die ich in „The Element of Fire“ kreiert habe, und die auf dem Frankreich des 17. Jahrhunderts basierte, und passte sie dem 19. Jahrhundert an.
Das war etwas, das mir an meiner Arbeit am meisten Spaß gemacht hat: Darüber nachzudenken, wie die Stadt sich wohl verändert hätte, was anders und was immer noch gleich wäre und das Setting so zu gestalten, dass es immer noch von Leuten wiedererkannt wird, die „The Element of Fire“ gelesen haben.
FF: Woher nimmst du die Inspiration für deine Bücher?
Aus vielen verschiedenen Quellen. Ich lese viel über Geschichte und Bücher über Archäologie, nur um nach interessanten Settings Ausschau zu halten. Du weißt nie wirklich, was dich inspirieren wird.
FF: Bewunderst du bestimmte Autoren oder gibt es welche, die deine Arbeit beeinflusst haben? Der Charakter Ronsarde beispielsweise kam mir vor wie eine Hommage an Sherlock Holmes, was ich sehr amüsant fand.
Er war wirklich eine Art Hommage an Sherlock Holmes. Ich bin ein Holmes Fan und ich wollte eine Anspielung auf ihn in meiner viktorianischen Welt.
Mein größter Einfluss im Fantasygenre ist vermutlich Andre Norton. Ich habe ihre Bücher wieder und wieder gelesen, als ich aufgewachsen bin. Ich wurde vermutlich auch von Jugendbuch-Autoren wie Edward Eager, Lucy Boston und Lloyd Alexander beeinflusst. Meine Lieblingsautorin ist derzeit Lois McMaster Bujold.
Findest du, das Fantasybücher nur unterhaltsam sind, oder können sie einen wirkliche Aussage, einen Einfluss haben, können sie den Leser verändern? Hast du, als eine Autorin, Verantwortungen?
Ich denke sie können beides sein, unterhaltsam und auch mit einer wirklichen Aussage versehen. Diese Aussage kann sehr persönlich sein, es kommt darauf an, was die Charaktere durchmachen, wenn es um Vertrauen, Integretität oder darum geht, für sich selbst einzustehen. Und ja, als Autorin bin ich verantwortlich für alles, was in meinen Werken steht.
Ich habe kürzlich, in diesem Sommer, einen neuen Fantasyroman beendet und warte nun darauf, einen Verlag zu finden. Es ist ein in sich abgeschlossenes Buch, das in einer neuen Welt spielt.
Ich poste Updates zu allen neuen Werken auf meiner Website www.marthawells.com. Außerdem poste ich Updates und News auf meinem Blog: http://marthawells.livejournal.com/
FF: Vielen Dank für das Interview!


Kompliment! Sehr tolle Fragen!
Und da die Antworten auch interessant klingen, sollte ich wohl mal die Augen nach Martha Wells offen halten, was? Habe noch gar nichts von ihr gelesen …