Wenn ich ehrlich bin, muss ich sagen, dass ich von sehr wenigen deutschen Fantasy-Autoren wirklich angetan bin, insbesondere mit Heitz, Hohlbein und Konsorten kann man mich jagen. Es gibt aber freilich viele gute nationale Schreiberlinge – man danke nur an die Jugendbücher von Kai Meyer, auch „Sturm“ von Claudia Kern hat mich positiv überrascht und ganz besonders eine talentierte Autorin darf nicht vergessen werden: Nina Blazon. Mit phantasievollen, spannenden Romanen wie „Die Sturmrufer“, „Die Taverne am Rand der Welte“, der „Woran-Saga“ und zahlreichen anderen Büchern hat die Journalistin und Autorin bewiesen, dass sie ihr Schreibhandwerk versteht. Da im Dezember ihr neuester Roman „Faunblut“ erscheint, mit dem die Autorin neue Wege geht, hat Faszination Fantasy mit Nina Blazon über eben dieses Buch, über Fantasy, das Schreiben im Allgemeinen und vieles mehr gesprochen.
Zuerst wäre es schön, wenn Sie sich den Lesern kurz vorstellen könnten.
Tja, ich bin Journalistin und Texterin, habe aber vor einigen Jahren einen neuen Weg beschritten. Seit 2003 schreibe ich Bücher und stelle bei jedem Projekt von Neuem fest, dass man auch als „Wortarbeiter“ nie auslernt.
Sie schreiben in verschiedenen Genres – historische Romane, Fantasy und auch Krimis. Geht Ihnen ein bestimmtes Genre leichter von der Hand als ein anderes? Gibt es überhaupt Unterschiede während des Schreibprozesses?
Für mich sind es wirklich drei verschiedene Arten des Schreibens.
Beim historischen Roman habe ich ja einen festen Rahmen, den ich sozusagen „nur“ mit eigenen Bildern und Farben fülle. Diese selbsterdachten Elemente (Figuren, Handlungsstränge neben der verbürgten historischen Handlung) müssen aber exakt in diesen Rahmen eingepasst werden. Manchmal ist es viel Tüftel- und Recherchearbeit, eine Figur zu schaffen, die von ihrer Denkweise und ihrer Lebensaufgabe, ihren Wünschen und Ängsten in die Epoche passt.
Bei der Fantasy liegt die Hauptaufgabe darin, eine Welt aus dem Nichts zu schaffen, die in sich schlüssig ist und den Charakteren einen guten Rahmen bietet. Hier zimmere ich also auch den Rahmen, und manchmal fluche ich dabei.
Arbeite ich an einem Krimi, liegen auf dem Boden Blätter herum, mit Pfeilen und Querverweisen, Szenenfolgen, die ich verschiebe und immer wieder umsortiere, zerschneide, neu zusammensetze. Es sieht aus wie in der Werkstatt eines Konstrukteurs. Aber bei einem Krimi kommt es eben vor allem auf die Beweiskette an, auf falsche Fährten. Viele Einzelteile, die ein Mosaik ergeben müssen.
Bisher haben Sie immer für ein jugendliches Publikum geschrieben, auch wenn Erwachsene Ihre Romane ebenso genießen können. Planen Sie in Zukunft auch mal einen Roman, der gezielt erwachsene Leser anvisiert oder reizt Sie das gar nicht?
Lustig, dass diese Frage gerade jetzt kommt! Mein nächster Roman, „Faunblut“ geht in eine deutlich erwachsenere Richtung. Bewusst geplant war diese Ausrichtung nicht, es entwickelt und ergibt sich. Für mich macht es beim Schreiben keinen Unterschied, ob ich über eher jugendliche oder erwachsene Figuren schreibe.
Im Dezember erscheint „Faunblut“, ein Roman, der von Ihren Fans schon mit viel Vorfreude erwartet wird und mit dem Sie anscheinend eine neue Richtung einschlagen: Urban Fantasy. Ein Genre, das in Deutschland eher von der oft uninspiriert daherkommenden „Paranormal Romance“ dominiert wird. Liest man die Inhaltsbeschreibung
von „Faunblut“, wird jedoch schnell klar, dass dieser Roman glücklicherweise einen phantastischeren Inhalt verspricht. Wie und wann kamen Sie darauf, einen Roman wie diesen zu schreiben?
Die Grundidee schwelte schon lange in der Schublade vor sich hin, allerdings hatte das geplante Buch damals noch einen sehr viel märchenhafteren Charakter. Die Handlung spielte in St. Petersburg um 1917 herum, mitten im Winter, es war ein Zwischending zwischen historischem und phantastischem Roman. Aber irgendwie gefiel mir das Ganze noch nicht, deshalb versenkte ich die Idee im „Irgendwann-mal-wieder“-Ordner. Als ich von meiner Lektorin die Anfrage für einen etwas düsteren Roman mit Liebesgeschichte bekam, kramte ich die Grundidee hervor. Ich warf probehalber die ganzen Märchenelemente und die Historie raus, verfremdete die Stadt zu einer Endzeit-Metropole und ließ all das Düstere, Bedrohliche, das in dieser Geschichte verborgen war, deutlicher an die Oberfläche treten. Und stellte plötzlich fest, dass jetzt alles perfekt passte!
FF: Gibt es Urban-Fantasy-Romane, die Ihnen besonders gefallen?
Martin Millar: „Die Elfen von New York“. Herrliche Elfen! Herrliche Idee! Netter, übergewichtiger Menschenfeind-Geiger.
Beobachten Sie den deutschen Buchmarkt? Wägen Sie bei einer Idee, sobald Sie diese haben, ab, ob Sie einen Verlag finden wird und eine Leserschaft oder sind Sie experimentierfreudig?
Beides. Natürlich sollte ein Buch auch verkäuflich sein, das habe ich auch im Hinterkopf, wenn ich mir Gedanken über ein neues Projekt mache. Aber zuviel Selbstzensur sollte man meiner Meinung nach nicht betreiben. Der Markt braucht ja schließlich auch neue Ideen. Deshalb
schlage ich dem jeweiligen Verlag jede Idee vor, egal, wie marktfeindlich sie auf den ersten Blick erscheinen mag. Und oft genug sind ja auch die Verlagsleute experimentierfreudig.
Besonders Ihre Fantasy-Romane weisen viele mythologische Bezüge auf. Haben bestimmte Mythologien Sie besonders inspiriert beziehungsweise fasziniert?
Meerjungfrauenmärchen aus den verschiedensten Ländern liebe ich besonders, oder auch Geschichten um die russische Hexe Baba Jaga. Aber ich lese ohnehin sehr gerne Märchen, Sagen und Schöpfungsmythen aus den verschiedensten Ländern. Es ist spannend, ganz ähnliche Motive und Abläufe wiederzufinden.
Auf ihrer Website verraten Sie in den FAQs, dass Sie auch gerne mal etwas im Science-Fiction-Bereich schreiben würden. Gibt es diesbezüglich schon Ideen oder konkrete Pläne?
Irgendwo im „Irgendwann-mal-wieder“-Ordner schlafen ein paar Grundideen, aber konkrete Pläne für ein Buch gibt es noch nicht.
Wie schätzen Sie die Entwicklung ein, die Sie seit des ersten Romans, den Sie veröffentlicht haben, durchgemacht haben?
Das lässt sich in wenigen Stichworten sagen: Komplexere Plots, erwachsenere Figuren, knappere Formulierungen und weniger Adjektive und Metaphern pro Seite. Und, wenn man zum Vergleich den allerersten Fantasy-Roman „Im Bann des Fluchträgers“ betrachtet, weniger männliche Figuren, die erröten und weinen.
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Vielen Dank für das Interview!
Mehr zu Nina Blazon und ihren Büchern findet ihr hier: http://www.ninablazon.de
Tolles Interview mit einer tollen Autorin! Danke!!